Exklusives Interview mit Andreas Kuffner - Weltmeister, Olympiasieger und Speaker

Erfolgsgeschichten – warum Rückschläge mich vorwärtsbringen

Sehr spät entdeckte Andreas Kuffner seine Leidenschaft für den Rudersport: Er startete seine Hochleistungssportkarriere erst mit 15 Jahren. Dies hielt den jungen Ausnahmesportler aber nicht davon ab, eine erfolgreiche Rudersportkarriere zu absolvieren. Ganz im Gegenteil: Mit einem Ziel vor Augen und der kontinuierlichen Arbeit an sich selbst erreichte er 2012 die Weltspitze mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft im Deutschlandachter und der olympischen Goldmedaille.

Über viele Jahre hat er es dabei geschafft, sich zu einem Spitzensportler zu entwickeln und sich allen Widrigkeiten und Veränderungen zum Trotz an der Spitze zu etablieren. Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2016 beendete Andreas Kuffner seine aktive Laufbahn als Profisportler und vermittelt seitdem seine gewonnenen Erkenntnisse in Vorträgen und Seminaren.

Dabei spricht er nicht nur über den knallharten Wettbewerb um einen Platz im Deutschlandachter, sondern vor allem über die Höhen und Tiefen und die großen Veränderungen in seiner sportlichen Karriere sowie die Parallelen zum Vertriebsbusiness.

Wir freuen uns, dass Andreas Kuffner sich die Zeit für ein persönliches Interview mit uns genommen hat.

Wie geht es dir im sportlichen Ruhestand? Vermisst du den Rudersport und die damit verbundenen aufreibenden Trainingseinheiten und Wettkämpfe?

Ich habe den richtigen Zeitpunkt für mich gewählt, um mit dem Leistungssport aufzuhören. Ich bin nicht nur im richtigen Alter, um das „neue Leben“ zu starten, ich bin auch bestens ausgebildet, um mich nun auf meine berufliche Zukunft konzentrieren zu können. Die Intensität, die ich im Leistungssport erlebt habe (Adrenalin, Leistungsdruck, physischer und psychischer Stress), werde ich so nicht mehr erleben. Es gibt durchaus Momente, da vermisst man genau das, denn das war es, was man im Sport oft geliebt und gleichzeitig gehasst hat. Aber das ist es auch, was mir nun persönlich in meiner beruflichen Laufbahn hilft – und auch dabei, andere Menschen aus Wirtschaft, Sport und anderen Bereichen unterstützen, beraten, entwickeln und inspirieren zu können. 

Wie wichtig war es für dich nach deiner Sportkarriere, neue Ziele zu definieren und diese dann auch fokussiert zu verfolgen?

Ziele sind für mich seit meiner Kindheit wichtig. Damals habe ich unbewusst kleine, aber auch große und anspruchsvolle Ziele verfolgt. Im Laufe meiner Sportkarriere wurde diese Eigenschaft immer intensiver und vor allem wichtiger, um überhaupt langfristig erfolgreich sein zu können. Vor allem in den Lebensphasen, in denen ich große Herausforderungen und Rückschläge meistern musste. Nach meinem Sport befinde ich mich erneut in einer Lebensphase, in der es für mich unglaublich wichtig ist, klare Ziele zu verfolgen. Nur so kann ich meinen Weg definieren und ein selbstbestimmtes und achtsames Leben führen. Wenn ich nach der Zieldurchfahrt in Rio und dem Gewinn meiner zweiten Olympiamedaille keine Ziele mehr gehabt hätte, wäre ich in ein Loch gefallen, aus dem ich mich nicht mehr hätte befreien können. Ziele sind lebenswichtig, man sollte aber dabei nie die Lockerheit verlieren und immer flexibel in der Gestaltung bleiben.

Du hattest dir 2013 ein Jahr Wettkampfauszeit gegönnt, um deinen Bachelor zu machen. Was waren dabei die größten Herausforderungen für dich?

Für mich war das Jahr 2013 wichtig, um mein Wirtschaftsingenieurstudium erfolgreich abzuschließen und die Zeit zu haben, ein Praktikum absolvieren zu können. Ich habe dieses Jahr aber auch gebraucht, um für mich herauszufinden, ob ich den unsicheren Weg zu weiteren Olympischen Spielen noch einmal gehen möchte oder nicht. Kraft zu tanken stand damit im Vordergrund dieser Pause. Ich habe dieses Jahr sehr genossen und festgestellt, dass für mich der Weg im Sport noch nicht vorbei ist.

Ehrlich gesagt war es aber in diesem Jahr sehr schwer für mich, denn hier haben mir kurzzeitig (nach Abgabe der Bachelorarbeit) tatsächlich die weiteren Ziele gefehlt. Ich bin vorübergehend in ein Loch gefallen und musste mich da erst wieder herauskämpfen. Das intensive Training wieder aufzunehmen und den Anschluss an die nationale Spitze erneut zu schaffen, war ein schweres Unterfangen. Zudem habe ich mein Masterstudium begonnen. Es war also ein Jahr, das für mich nach einer kurzen Auszeit wieder sehr anspruchsvoll weitergegangen ist.

Die Motivation nach Rückschlägen wiederzufinden, ist während deiner aktiven Sportlerzeit dein stetiger Begleiter gewesen. Wie hast du dich aus diesen emotionalen Tiefs befreit und neue Kraft getankt?

Das kann man schwer in nur ein paar Sätzen beantworten. Genau das ist die Herausforderung, die wir alle in allen Phasen des Lebens immer wieder meistern müssen. Dieses Thema ist eines, dem ich mich in meiner Keynote und meinen Seminaren widme, die ich für diverse Unternehmen und deren Mitarbeiter, aber auch für Studenten anbiete.

Ein sozialer Rückhalt ist sicherlich die Basis, aber wir müssen es auch schaffen, uns immer wieder auf unsere Ziele zu konzentrieren, und vor allem prüfen, welchen Weg wir tatsächlich gehen wollen. Erst wenn wir wissen, was wir wollen und was nötig ist, um das zu erreichen, schaffen wir es, uns immer wieder neu zu motivieren – auch wenn es mal nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, und es Durststrecken gibt, die wir durchstehen müssen.

Welche Parallelen siehst du zwischen Hochleistungssportlern und Salesmitarbeitern?

Hier gibt es sehr viele Parallelen. Nicht nur die Tatsache, dass Leistung belohnt wird und man damit überproportional viel erreichen kann, wenn man mit der richtigen Strategie und dem nötigen Ehrgeiz arbeitet. Vertriebsmitarbeiter stehen auch unter einem gewissen Druck, die selbstgesteckten oder vorgegebenen Ziele zu erreichen. Die Herausforderung besteht darin, die Ziele zu verfolgen, aber nicht zu verbissen an die Aufgaben heranzugehen, sondern immer eine gewisse Lockerheit zu behalten. Ähnlich wie im Sport müssen Salesmitarbeiter auch mit Misserfolgen umgehen können. Gerade im Vertrieb wird man nicht immer alle Ziele erreichen und ständig auf gleichem Niveau performen. Dann gilt es, dranzubleiben und auf seine eigenen Stärken zu vertrauen. Die Liste könnte man noch lange weiterführen, und das nicht nur für den Vertrieb – der Sport bildet in einer extremen Art und Weise das Berufs- und Privatleben ab.

Welche Tipps hast du für Menschen, die im Sales tätig sind und wie könnten diese ihre Motivationsfähigkeit trainieren?

Das Grundlegende ist sicherlich, sich realistische Ziele zu setzen. Wenn man völlig überzieht, wird man zu oft enttäuscht und damit auf Dauer demotiviert. Geht alles locker von der Hand, ist man zu wenig gefordert und wird leichtsinnig und unzufrieden – auch das führt zu Demotivation. Neben der richtigen Zielsetzung ist es aber auch wichtig, locker zu bleiben in den Phasen der Rückschläge und mit Vertrauen und Zuversicht die nächsten Schritte anzugehen. Fakt ist, dass es nicht genetisch bedingt ist, ob man sich immer wieder motivieren kann oder nicht. Wenn jemand sagt, das hat man oder hat man nicht, dann ist das in meinen Augen völlig falsch. Jeder kann Methoden anwenden und die Motivationsfähigkeit trainieren – auch das ist Thema meiner Seminare.

Konkrete Tipps:

  • Genießen Sie die Reise: Wenn man sich Möglichkeiten schafft, eine schwierige Situation oder Aufgabe möglichst angenehm und amüsant zu gestalten, geht alles viel leichter von der Hand und man sieht nicht nur die Anstrengung dahinter. Gehen Sie zum Beispiel spazieren, während Sie ein Arbeitsgespräch führen müssen. Fragen Sie sich, wie Sie Ihre Hobbys oder Ihre Leidenschaft direkt in die Arbeit integrieren können.
  • Tagträume: Wenn Sie sich Ihr gesetztes Ziel und den Weg dahin möglichst bildlich vorstellen und überlegen, was Sie in der Situation der Zielerreichung fühlen, denken und persönlich erleben, dann wird das eine noch größere Motivation sein, die Aufgabe anzugehen und für das Ziel zu arbeiten.
  • Legen Sie den Schalter um: Überlegen Sie sich ein klares Zeichen/Signal oder eine spezielle Tätigkeit, bei der Sie für sich den Schalter umlegen und konkret an der Aufgabe arbeiten. Wenn ich meine Hand ans Boot gelegt habe und es zu Wasser getragen habe, dann war ich im „Arbeitsmodus“ und habe mich voll und ganz darauf konzentriert. In dieser Situation gab es nur das Rudern, meine Mannschaft und mich. Erst danach habe ich mich wieder allen anderen Aufgaben, möglichen Problemen oder meinen privaten Angelegenheiten gewidmet. Nehmen Sie sich also die Zeit für eine konkrete Aufgabe und erledigen Sie sie dann auch. Fokussieren Sie sich, „psychisches Multitasking“ ist nicht immer förderlich.

Zum Abschluss noch ein kurzes Frage-und-Antwort-Spiel. Was fällt dir spontan zu den folgenden Begriffen ein?

Zielstrebigkeit
ist für mich absolut notwendig, um vorwärtszukommen, sollte aber nicht mit Verbissenheit gleichgesetzt werden.

Familie
ist die Basis für ein erfülltes Leben und für mich unglaublich wichtig, um zu sehen, was wirklich zählt, und den Rest manchmal nicht zu ernst zu nehmen.

Erfolg
heißt nicht immer nur gewinnen, sondern alles dafür zu tun, was nötig ist, um sein Ziel zu erreichen.

Grenzen
sollte man für sich selbst festlegen und nicht von anderen vorgeben lassen (gesetzliche und moralische Grenzen ausgeklammert). Meist kann man mehr schaffen, als man sich überhaupt vorstellen kann. Im Sport war es unbedingt notwendig, über die gedanklich vorstellbaren Grenzen hinauszugehen.

Gutes Essen
bedeutet für mich besonderen Genuss. Seit ich den Leistungssport beendet habe, ist es nicht mehr nur Arbeit zu essen, sondern durchweg eine Leidenschaft.

Urlaub
war und ist unglaublich wichtig für mich, um neue Kraft zu tanken. Am liebsten bereise ich zusammen mit meiner Frau fremde Länder und lerne auch hier oft gerne neue Grenzen kennen.

Geld
ist für mich wichtig, aber definitiv nicht entscheidend, um mich immer wieder neu zu motivieren. Im Leistungssport habe ich nie viel Geld verdient, aber mich trotzdem täglich neu herausgefordert und mich oft an mein körperliches und mentales Limit gebracht.

Andreas´ Tipp an Hochschulabsolventen: Geht beruflich möglichst nach eurer Leidenschaft und dem, was ihr wirklich machen wollt im Leben, nicht nur nach dem finanziellen Faktor oder dem, was euch von anderen vorgegeben wird. Nur wenn man eine gewisse Freude entwickelt, kann man sich auch immer wieder selbst motivieren.