KRONGAARD Reisebericht: Kilimandscharo-Besteigung – ein Gipfeltrip mit Gänsehaut

KRONGAARD Reisebericht: Kilimandscharo-Besteigung – ein Gipfeltrip mit Gänsehaut

Der Kilimandscharo: Traum von Bergsteigern aus der ganzen Welt. Nächte bei Minusgeraden, steile Aufstiege in tausende Meter Höhe. Am Ende ein Ausblick mit Gänsehautgarantie – wenn man den Aufstieg meistert. Denn ob und wie einen die Höhenkrankheit erwischt, das ist vorher nicht abzusehen.

Das Bergmassiv im Nordosten Tansanias zieht jedes Jahr etwa 25.000 Wanderer an. Für den Aufstieg auf den 5.895 Meter hohen Gipfel gibt es verschiedene Routen: Etwas einfachere Wege oder wirklich steile Trails, Übernachtung in Hütten oder Nächte im Zelt trotz eiskalter Temperaturen. Wer den „Kili“ besteigen will, muss sich einer geführten Tour anschließen – Wanderungen auf eigene Faust sind nicht erlaubt. Die Guides kennen den Berg, viele von ihnen sind ihn schon hunderte Male hinaufgestiegen. Sie können Geschichten über den Kilimandscharo erzählen – teilweise sogar auf Deutsch.

Der Kilimandscharo übt eine unheimliche Faszination aus, auch auf Menschen, die noch nie eine große Wanderung unternommen haben. Denn trotz der Höhe gilt der Berg als relativ einfach zu erklimmen. Eine gute Kondition und Gesundheit sind nötig, langjährige Erfahrung als Bergsteiger nicht erforderlich. Doch die Herausforderungen beim Aufstieg sollte niemand unterschätzen: Die Luft wird mit jedem Schritt dünner, Übelkeit und Kopfschmerzen können jederzeit zuschlagen.

Außerdem drohen ständig Wetterumschwünge und starke Temperaturunterschiede: Während am Fuß des Berges oft 30 Grad herrschen, sind es auf dem Weg nach oben oft minus 20. Doch wer einmal auf dem Gipfel stand, der weiß, dass sich die Tour lohnt. Ein unvergessliches Erlebnis – da sind sich alle Wanderer einig.

Auch Fabian hat dieses überwältige Gefühl erlebt. Er war vom 19. August bis zum 2. September in Afrika, bestieg erst den Kilimandscharo und führte dann eine dreitätige Safari durch den Serengeti Nationalpark und Ngorongoro Krater durch. Wie er seine persönlichen Grenzen überschritten hat und was auf der Tour die größte Herausforderung war, verrät er im Interview.

Fabian, wie lange hast du dich auf die Tour vorbereitet – und wie?

Ich war vorher nie bergsteigen oder viel wandern. Es war die erste Tour dieser Art und vom Buchen der Reise bis zum Start vergingen lediglich drei Monate. Ursprünglich war eine Vorbereitung in Form von Ausdauertraining und Höhentraining geplant. Aufgrund einer Knieverletzung konnte ich die letzten sechs Wochen vor Abflug aber kein Ausdauertraining machen. Insgesamt habe ich 15 Stunden in unterschiedlichen Höhen gehend auf einem Laufband verbracht – inklusive Steigung.

Welche besonders großen Herausforderungen sind dir auf dem Weg begegnet? Gab es Probleme, mit denen du vorher nicht gerechnet hattest?

Die größte Herausforderung ist der eigene Kopf – auch wenn der ganze Weg hoch und runter körperlich fordernd ist. Man muss sich auf Schmerzen, Kälte, Feuchtigkeit und Müdigkeit einstellen. Da man jeden Tag zwischen fünf und acht Stunden unterwegs ist, beschäftigt man sich auch zwangsläufig viel mit sich selbst. Man ist also mit seinen Gedanken alleine, denn auch wenn man in der Gruppe unterwegs ist, spricht man während dem Wandern eher weniger. Man ist mehr damit beschäftigt, zu atmen und trittsicher zu gehen. Wenn man abends im Camp angekommen ist, dann freut man sich auf den Schlafsack und das Zelt. Diese Freude ist am nächsten Morgen aber ganz schnell wieder verflogen, denn die Nächte sind kalt, meist feucht und hart – wenig erholsam. Morgens um 6:00 Uhr will man einfach nur schnell wieder wandern und die unglaubliche Landschaft genießen. Jeder hat schon auf dem Weg zum Base Camp seinen eigenen Moment, in dem man sich fragt, warum man das Ganze macht. Aber das ist nichts im Vergleich zum Gipfeltag.

Was war an diesem Tag so speziell?

Am Gipfeltag sind wir gegen 14:00 Uhr im Base Camp angekommen. Nach einem kurzen Lunch hatte ich dann versucht im Zelt bis 18:00 Uhr zu schlafen. Dann gab es Abendessen und anschließend ging es wieder ins Zelt zum Schlafen, bis man um 23:30 Uhr geweckt wurde. Ich konnte nicht schlafen, ich war einfach zu aufgeregt und mit dem Kopf schon auf der letzten Etappe.

Um Mitternacht ging es dann los – von 4.300 Meter auf 5.895 Meter. Es war kalt und wir trugen sehr, sehr viele Schichten an Kleidung, dazu den Rucksack. Es waren -25 Grad und starker Wind. Ab etwa 5.400 Meter kamen dann noch Übelkeit und Kopfschmerzen hinzu - beides ausgelöst durch die Höhe. Man sieht nicht viel außer Dunkelheit und den Kopflampen.

In der Phase habe ich öfters darüber nachgedacht, warum ich das mache. Eine Antwort habe ich nicht gefunden – aber Aufgeben war keine Option. Ich kann es eigentlich kaum beschreiben, was dort mit einem passiert - an was man denkt. Man ist irgendwie für sich alleine. Ab einem bestimmten Punkt schaltet man in den „Beastmode“, so haben wir es genannt. Dann funktioniert man nur noch und blendet alles andere aus. Man ist wie im Tunnel. Es ist Einstellungssache, ob man hochkommt oder nicht.

Wie war das Gefühl, als du es schließlich geschafft hattest?

Es war ein überwältigendes Gefühl, ähnliches habe ich bislang noch nicht verspürt. Auf dem Kili gibt es zwei Gipfel. Zum einen der Stella Point, der offizielle Gipfel und dann noch der Uhuru Peak auf 5.895 Meter. Das Gefühl, den Stella Point in der Dunkelheit und durch den Wind zu sehen, ist unbeschreiblich und war super emotional. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.
Von hier aus geht man etwa eine Stunde bis zum Uhuru Peak. Man verspürt weder Schmerz noch Müdigkeit und man ist absolut geflashed, wenn man den Sonnenaufgang sieht.

Was muss man mitbringen, um eine solche Tour zu meistern? Wem würdest du sie empfehlen?

Man muss die Bereitschaft haben, an seine Grenzen zu gehen, diese zu verschieben und zu überschreiten. Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Grenzen, die wir denken zu kennen, nur in unserem Kopf sind. Der menschliche Körper kann viel mehr leisten, wenn man das richtige Mindset hat. Ich würde die Tour jedem empfehlen, der gerne seine Grenzen austestet, Lust hat, über den Wolken zu stehen und eine atemberaubende Naturlandschaft zu erleben.

Ich hatte unfassbar viel Spaß.

Wohin geht es für dich als nächstes?

Für das nächste Jahr ist eine Roadtrip durch Island oder die Lofoten angedacht.