Was motiviert wirklich?

Was motiviert wirklich?

Das Jahresende rückt näher, und in vielen Unternehmen stehen wieder Weihnachtsgeld- und andere
Einmalzahlungen an. Was sicher immer als Dankeschön für die erbrachte Leistung gemeint ist, ist doch immer auch: Mittel zur Motivation. Gegen die Intention gibt es auch gar nichts zu sagen. Aber funktioniert das auch? Wie lässt sich dafür sorgen, dass Projekt- und Unternehmensmitarbeiter das ganze Jahr hindurch motiviert sind und sehr gute Leistungen erbringen?

Motivation ist seit vielen Jahrzehnten Forschungsgegenstand, allen voran der Psychologie - und ein durchaus strittiges Thema. Schon in den Anfängen der Forschung gab es zwei entgegengesetzte Positionen: Frederick Winslow Taylor (1856-1915) war der Meinung, dass in erster Linie Geldanreize motivierend wirken. Elton Mayo (1880-1949) hingegen rückte die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Fokus.

Neue Studien kommen vermehrt zu dem Schluss, dass äußere Anreize wie Bonuszahlungen oder
Gehaltserhöhungen nicht geeignet sind, die Motivation langfristig zu steigern. Forschungsergebnisse aus der Glücksforschung ergaben sogar: Wer ein als gut empfundenes Gehalt bekommt, für den bleiben
Geldanreize weitgehend ohne Wirkung. Für den Bereich Sales können die Erkenntnisse allerdings nicht uneingeschränkt gelten, da hier erfolgsabhängige Bezahlung tägliches Geschäft ist. In der Regel werden Vertriebsmitarbeiter nach einer anderen Systematik entlohnt als Mitarbeiter anderer Abteilungen.

Im Allgemeinen scheinen andere Dinge für eine hohe Motivation wichtig, nämlich vor allem Lob, persönliche Anerkennung und ein gutes Arbeitsklima. Aber ist das nicht banal? Nein, denn die genannten Formen der Anerkennung sind nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Was geschehen kann, wenn sie gänzlich fehlen, hat kürzlich eine Studie der Kühne Logistic Uni in Hamburg gezeigt: Wenn sich Top-Führungskräfte den Mitarbeitern gegenüber respektlos verhalten, löst das bei diesen Widerstände aus, die Motivation sinkt und der Gedanke an Kündigung tritt verstärkt auf. Die Motivation steigt hingegen, wenn sich Top-Führungskräfte respektvoll verhalten.

Ein Klassiker der Motivationsliteratur heißt „Mythos Motivation“. Darin schreibt Autor Reinhard K. Sprenger: „Keine Winkelzügigkeit, keine Falschheit und kein hohes Pathos entgehen dem geübten Blick der jungen Individualisten. Und gerade die Besten, die „high potentials“ unter ihnen, kann man nicht ködern, kann man nicht verführen. Sie wollen ernst genommen werden.“ Das mag ein bisschen altbacken klingen, aber vielleicht ist der letzte Satz der Schlüssel.

Doch auch wenn in Sachen äußerer Motivation alles stimmt, braucht es doch den Eigenantrieb. Natürlich kann und soll dieser auch von außen angestoßen werden, aber sich kritisch mit der eigenen Motivation auseinanderzusetzen, sollte besonders für Freelancer, aber auch für Angestellte selbstverständlich sein.